Rezensionen

 

HÖRZU Nr. 17 vom 17.4.2015

Rubrik: Alle wichtigen Neuerscheinungen auf einen Blick


Geschichte. Welche Rolle spielten unsere Eltern und Großeltern im Dritten Reich? Wie prägte das Erlebte die Familien über Jahrzehnte hinweg? Fragen, die viele Deutsche betreffen. Der Hamburger Soziologe Michael Brenner geht ihnen nach. Anhand seiner eigenen Familiengeschichte und erweiterter Recherchen über die Nachkriegszeit. Fesselnde Zeitreise.  

 

 

HAMBURGER ABENDBLATT vom 15.5.2015

„Als Hamburg sich am 3. Mai 1945 den britischen Truppen ergab, war der Krieg für die Bürger vorbei. Und doch nicht. Seit zwei Jahren lagen weite Teile der Hansestadt in Trümmern, Ausgebombte und Flüchtlinge drängten sich zusammen, der Überlebenskampf ging weiter. Für Fragen nach Befreiung oder Niederlage, Opfer oder Täter blieb keine Zeit bei der Frage nach Brot und Kohle, Heimat und Obdach. Die privaten Erlebnisse im Bombenhagel und Feuersturm, an der Front oder in Gefangenschaft und die Berichte und Gerüchte aus den Konzentrationslagern, die nicht weit im Osten lagen, sondern nur wenige Kilometer entfernt in Neuengamme oder Fuhlsbüttel, verschwanden unter dem Deckmantel des Verdrängens.

Das ist die Elterngeneration, die oft mit drei Grundgedanken die Stadt wieder aufbaute, Familien gründete, Kinder erzog: "Wir hatten doch nichts", "Wir haben nichts gewusst" und "Unsere Kinder sollen es einmal besser haben". Der Hamburger Autor Michael Brenner, 1951 in Hamburg-Horn geboren, ist ein Kind dieser Generation. Nach dem Buch "Kinder der Verlierer – Erinnerungen einer Generation" (2010) begibt er sich jetzt mit "Nachkriegsland. Eine Spurensuche" noch tiefer in verschüttete Details seines privaten Umfelds, die Zeichen ihrer Zeit sind, und stellt sie in den Vergleich der allgemeinen historischen Entwicklung nach der Stunde null, die keine war." Tino Lange


Lesezeit bei Radio ZuSa, Uelzen. 12.5.2015

Besprechung: Dagmar Rosenau

Beliebt was übrigens auch der Satz: Wenn der Hitler doch bloß die Juden nicht umgebracht hätte...

Untereinander allerdings sprachen sie gerne über diese Zeiten, tauschten Erlebnisse aus und verstummten, wenn die Generation der späteren 68er Fragen stellte. Es entstand das Gefühl, die Jahre zwischen 1933 und 1945 seien einfach ausradiert. Aber die Traumata kamen doch zum Vorschein. Sie bahnten sich den Weg in die Träume oder erwachten im Nebel der Trunkenheit zum Leben. .....

 

Genügsamkeit und  Wirtschaftswunder, APO und RAF, lange Haare und kurze Röcke und natürlich der Besuch in der Ostzone – das waren prägende Ereignisse. Michael Brenner erzählt offen und kritisch vom Leben der ersten Nachkriegsgeneration. Ich habe beim Lesen immer gedacht – ja, so war's!  Entstanden ist ein erzählerisch starkes Buch für die, die dabei waren und für die nachkommenden Generationen.