Eine bessere Welt: Pete Seeger

 

1968 war mir die Musik von Pete Seeger durch die amerikanische Bürgerrechtsbewegung schon bekannt. Durch Zufall entdeckte ich die Ankündigung seines Konzerts in einem kleinen Saal im Zentrum der Humanistischen Union in der Böckmannstrasse in Hamburg - St. Georg und ging hin. Mit mir vielleicht 200 Zuhörer überfüllten kleinen Raum. 

 

Für einen siebzehnjährigen Jungen eine beeindruckende Nacht. Ein Agitator für Frieden und eine bessere Welt. Ich saß da mit großen Augen und Ohren. Fighting for peace is like fucking for virginity. Mein Abend muss so gewesen sein, wie das nachfolgende Konzert aus Schweden. 

 

Deutsche Kultur, die unsere Identität und Humanität hätte so tief prägen können, gelangte nicht zu uns, vielleicht mit der Ausnahme der Songs von Franz Josef Degenhardt, der sich so bitterböse am Reich unserer Väter abarbeitete. Am Kirchenpauer-Gymnasium hörten wir nichts von Demokratie, Frieden oder einer besseren Welt. Kein Lehrer erzählte etwas von Joe Hill, Sacco & Vanzetti oder dem Kampf der Schwarzen um ihre Bürgerrechte in Selma Alabama. Dafür wurde an unserer Schule von zwielichtigen Typen gegeigt und orgelt, als hätte es das Dritte Reich und die Konzentrationslager nie gegeben.

 

1982 sah ich Pete Seeger noch einmal live in Kalifornien im Municipal Theatre. Eine herausragende Erinnerung an den großen Mann mit dem aufrechten Gang.

1994 ist er mit 94 Jahren gestorben. RIP