Sing Out

  

Im Frühjahr hatte ich im Fernsehen einen Bericht über Sing Out gesehen, eine neue Bewegung aus Amerika, die als Musik-Revue daher kam. Bei der Vorstellung im Hamburger Audimax war ich schnell mitgerissen und entschied mich fürs Mitmachen. Die Show war eine Mischung aus Erweckungs-Gottesdienst und konservativer Polit-Propaganda. Doch hier waren die Sängerinnen und Sänger nett gekleidete, saubere, junge Menschen, so wie die Erwachsenen es sich wünschten. Sie lächelten, sangen fröhlich und sagten „Ja“ zu unserer Welt. Sei nett, sei brav, schneide dir die Haare, gehorche Eltern und dem Staat. Glaube an Gott und diene dem Vaterland, mache keine Selbstbefriedigung und – vor allem - lass dich nicht mit dem Kommunismus ein.

 

Wir trafen uns wöchentlich in einer Kirche im herunter gekommenen Stadtteil Wilhelmsburg und studierten fröhliche Songs ein wie Ein Hoch auf den Menschen und Freiheit ist nicht umsonst. Befreit von der beklemmenden Atmosphäre unseres Gymnasiums konnte ich bei Sing Out unbefangen mit Mädchen zusammen sein. Heiligabend 1966 stand ich dann auf der Bühne der Kirche am Wandsbeker Markt. Wir führten unsere Show auf, fröhliches Singen und Winken – Winken und Singen. Danach verlor ich das Interesse und ging nicht mehr hin. Nach kurzer Zeit waren die Demonstrationen der Studenten interessanter und die Mädchen an der Universität lebendiger.