Kindheit nach 1945

  

 

Lange habe ich gedacht, die unglücklichen Jahre meiner Schulzeit wären mein persönliches Problem. Erst später habe ich erkannt, dass am Gymnasium viele Schüler gelitten haben. Noch später begriff ich, dass es zahlreiche Schulen wie das Kirchenpauer gab. Erlebnisse wie meine haben viele Heranwachsende dazu gebracht, sich auf das Thema der „antiautoritären Erziehung“ zu stürzen. Viele hunderttausend Jugendliche haben das Buch „Summerhill“ verschlungen, das von einer englischen Reformschule erzählt. Dort wurden Kinder gefördert und ihnen mit Achtung und Respekt begegnet. Eigentlich selbstverständlich.


Schlechter Umgang mit Kindern ist ein bitteres deutsches Thema. Die Gesellschaft Nachkriegsdeutschlands entstand aus der Verdrängung von Kriegsschuld und Verbrechen, vermischt mit den Resten des wilhelminischen Untertanengeists. In der Mehrheit der Erwachsenen lebte der „autoritäre Charakter“, die deformierten psychischen Strukturen gehorsamer Untertanen, von den Sozialphilosophen Horkheimer und Adorno so treffend als Voraussetzung für Faschismus und Antisemitismus beschrieben. Die bekannt gewordenen Fälle von Misshandlung und Missbrauch sind nur die Spitze des Eisbergs. 

 

 

Crosby, Stills & Nash: Teach your children well