Only a pawn in their game

  

Regelmäßig schimpfte mein Vater auf Flüchtling und alle, denen es noch schlechter ging als uns. Sorgfältig achtete er darauf, sich von denjenigen abzuheben, die er als Pöbel erachtete. Immer wieder schlug durch, dass er sich für etwas Besseres hielt und eigentlich gar nicht in Hamburg-Horn leben wollte. Als Jugendlicher begann ich zu verstehen, dass Sozialneid und soziale Abgrenzung in Not und Elend besonders gut funktionieren. Mein Vater machte es mir täglich vor.


Nicht nur die arme weiße Unterschicht in Amerika braucht Schwarze, damit sie jemanden hat, auf den sie als Ziel ihres Hasses herabsehen kann. In unserem Stadtteil war es ähnlich. Wer im Elend lebt, der benötigt Feindbilder. Jemanden unter sich, um die eigene Realität ertragen zu können. Sonst würden sich die Menschen gegen die Verhältnisse wehren.


Niemand hat diesen Mechanismus treffender beschrieben als Bob Dylan in seinem Song Only a pawn in their game. 1967, als die Welt sich schnell änderte, habe ich ihn erstmals gehört. Ein seltsamer jüdischer Junge, in dessen Worte und Musik ich mich verliebt habe und die mich mein ganzes Leben begleiten sollten. Der nachfolgende Link zeigt Bob Dylan 1963 in Greenwood Mississippi bei einer Bürgerrechtsveranstaltung.

1963 Greenwood Mississippi


Only a pawn in their game (cover - lyrics Bob Dylan)