Das Behelfsheim meiner Großeltern

   

 

Wir lebten eng mit den Eltern meines Vaters zusammen. Ihre Wohnung lag nur einige hundert Meter entfernt. Durch die Bomben des Feuersturms vom Juli 1943 hatten meine Großeltern ihr Zuhause verloren und bewohnten nach Kriegsende ein winziges Gartenhaus mit zwei kleinen Zimmern, damals „Behelfsheim“ genannt. Aus Erzählungen weiß ich, dass mein Großvater, der Zimmermann war, dieses Häuschen selbst gebaut hatte. Es lag an einem kleinen Sandweg mit vierzig anderen Hütten, umgeben von Ruinen, Bombenkratern und tristen Nachkriegs-Mietskasernen. Zu essen gab es nur wenig. Zum Überleben hielten Oma und Opa mehrere Hühner und Kaninchen. Dazu pflanzten sie Gemüse an und besaßen einige Obstbäume. Im Sommer wurden Vorräte für den Winter gehortet. Für meine Großeltern ging ihr ärmliches Leben weiter, so wie es schon nach dem Ersten Weltkrieg weitergegangen war. 

 

 

Oben links: Meine Großmutter mit mir. Oben rechts: Meine Großeltern.

Unten: Beim Spielen in der Behelfsheim-Siedlung 1954/55. Der Autor jeweils in der Mitte. Wie alle Kinder spielten wir "Krieg".