I want to hold your hand

  

Fast an jedem Abend hörte ich nun den BFBS, den Sender der britischen Soldaten in Deutschland. Zuerst heimlich, dann offen. Dort spielten sie Beat, die englische Hitparade rauf und runter. Die Musiker trugen lange Haare und schräge Outfits. Unsere Eltern und Lehrer waren entsetzt. Es waren Klänge, wie es sie bis dahin noch nicht gegeben hatte. Viele Songs trafen unser Herz, lange bevor wir die Worte verstanden. Die Musik war laut und fröhlich, schmutzig und rebellisch. Mit jedem neuen Song wuchs die Entfremdung zu den Erwachsenen, der Beat erweckte meine Generation zum Leben. Über die Musik entdeckten wir die Welt außerhalb unserer mentalen Gefängnisse.

 

Wie über Nacht kam der Sommer, der nie hätte zu Ende gehen sollen. Fenster und Türen gingen weit auf, endlich strömten Sonnenlicht und frische Luft hinein. Menschen lächelten. Durch Deutschland wehte ein kräftiger Wind von Aufbruch und Freiheit, der alles verändern sollte. Vor uns lagen die aufregendsten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, die Swinging Sixties. Tage, Wochen, Monate und Jahre hatte ich darauf gewartet, dass sich etwas änderte. Es war, als ob das kollektive Unterbewusstsein der Nachkriegskinder erwachte. Endlich ging es los, der deutsche Gestank begann zu weichen. Wie ein ansteckender Virus verbreiteten sich Veränderung und Fortschritt. Nichts ist mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

 

Für Heranwachsende waren es großartige Jahre - aufregend, sexy und begeisternd.