Beat Beat Beat

 

Im Sommer 1966 wartete ich auf meinen 15. Geburtstag. Mehr denn je war mein Vaterland ein unangenehmer konservativer Staat. Zum Bundeskanzler wurde der ehemalige Nazi Kurt Georg Kiesinger gewählt.

 

Beatmusik war der elektrisierende Soundtrack der Befreiung. Unter uns Nachkriegskindern wuchs der Ungehorsam, und wir begannen uns gegen die erstarrten Verhältnisse aufzulehnen, die uns so lange gedrückt hatten. Täglich wurde der Graben zwischen Eltern und ihren Kindern tiefer. Vermutlich hat sich noch nie ein so großer Teil der Heranwachsenden so schnell und konsequent von Werten und Verhaltensweisen der Generation vor ihr abgewandt wie wir damals. Die Mehrheit der Jugendlichen fühlte Distanz, Zorn und Rebellion. 

 

Leicht konnten wir die Alten verunsichern. Ein wenig Lebendigkeit, offene Worte, lautes Lachen, laute Musik, lange Haare, kurze Röcke, freches Verhalten oder Lachen über etwas, das die Erwachsenen nicht verstanden. Anfassen und Küssen, ein dahingeworfenes Zitat des chinesischen Führers Mao oder bunte Kleidung reichten aus, die Erwachsenen zutiefst zu erschrecken. „Beim Führer hätte es das nicht gegeben“, aber solche Sätze wurden nicht mehr ernst genommen. Die Jugend lebte nach eigenen Regeln und Werten. Es war, als wären die Alten in die nächste Galaxie verbannt. Sie saßen hinter einem unüberwindbaren Graben und verstanden ihre Kinder nicht mehr. 

  

WDR Doku: Beat Beat Beat