Nachwort

 

Nachkriegsland, Nachkriegskinder und Nachkriegszeit sind Begriffe, die für die Zeitgeschichte der alten Bundesrepublik stehen, dem Nachkriegsland, mein Vaterland bis 1989. 


2010 habe ich das Buch „Kinder der Verlierer – Erinnerungen einer Generation“ herausgebracht. Es war ein erster Versuch, meine Gedanken zu ordnen. Heute würde ich nicht mehr so schreiben. 


Kontinuierlich erhielt ich Fragen, Hinweise und Anregungen von Leserinnen und Lesern, auch von ehemaligen Mitschülern und Weggefährten. Sie haben mich dazu gebracht, kontinuierlich weiter an dem Manuskript zu arbeiten. Alle paar Monate habe ich meine Umgebung mit einer neuen Fassung genervt, doch mir hat das Feedback geholfen, immer tiefer in Spuren und Zusammenhängen zu graben. Nachkriegsland – eine Spurensuche ist das Ergebnis.


Wiederum verknüpfe ich autobiografische Erinnerungen mit zeitlichen Elementen. Doch mein Blickwinkel ist ein anderer geworden. Mein Erzählstil, meine Analysen und Schlussfolgerungen haben sich verändert. Ich wollte die Wunden von Krieg und Nationalsozialismus und die schwierige Identitätsfindung der Nachkriegskinder noch tiefer verstehen.

Die unmittelbaren Nachkriegsjahre gingen in das Wirtschaftswunder über, doch wann endete das Nachkriegsland? Denke ich an Wiedervereinigung und die zurückgewonnene staatliche Souveränität, scheint es mir gerechtfertigt, von 1989 zu sprechen, auch wenn „Krieg“ und die „Nachkriegszeit“ in den 1970ern und 1980ern längst tief verdrängt waren. Deutschland hatte sich mit der Teilung der Welt, Kaltem Krieg und Status Quo arrangiert. Unter diesem Blickwinkel entstand eine neue Erzählung.